Logo_Glas
                               Geschichte des Böhmischen Glas

P a r a l l e l e S e i t e n

 

Aktuelles
Letzte Neuigkeiten und Sonderangebote.

 

Geschichte
Interessantes aus der Geschichte des Böhmischen Glases

 

Herstellung
Arten und Herstel- lungsverfahren

 

Produktions- bilder
Blick in eine Produktion

Der Begriff Böhmisches Glas ist eigentlich ein Sammelbegriff und umfasste nicht nur Böhmen, sondern auch Mähren und den gesamten Schlesischen Raum. Böhmische Rohware wurde teils in Nürnberg und Schlesien veredelt, umgekehrt wurde aus Mangel an Rohware auch Glas aus den Mährischen Höhen durch nordböhmische Glasschleifer veredelt.
Es wird vermutet, daß in Böhmen seit dem 11. Jahrhundert kontinuierlich Glas erzeugt wurde. Sein Ruhm und sein eigenständiger Stilcharakter beginnt jedoch erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Der damals gebräuchliche frühe Glasschnitt, von Italienern nach Böhmen gebracht, war jedoch recht grob, die Anzahl der Motive begrenzt. Einen entscheidenden Schrittmachte Michael Müller, seit 1671 Meister der Helmbacher Hütte bei Winterberg (Südböhmen) mit der Erfindung des Bleikristallglas. Er soll, alten Quellen zufolge, auch der Erfinder des Rubinglas sein. Erst nach seinem Tod verlegte sich die böhmische Glasveredelung in den Raum nördlich Prag. Als Zentrum kristallisierten sich die Orte Steinschönau (Kamenický Šenov), Haida (Nový Bor), Gablonz (Jablonec) und Böhmisch-Kamnitz (Čes. Kamenice). 1803 zählte man schon 66 Glashütten in Böhmen, deren Rohglaserzeugung auf zusammen fast 2 Mio Gulden geschätzt wird, zusätzlich 6 Mio Gulden für Fracht und Handelsgewinne.

Bekannte Namen in der Anfangszeit sind Paul Schürer, der 1530 die älteste Glashütte in Falkenau gründete und das Farbglas erfunden haben soll. Seine Nachfahren setzten diese Tradition fort.

Bald nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges versuchte der nordböhmische Handel in das Ausland zu exportieren. Hauptsitz des Handels war Haida, welches später von Steinschönau abgelöst wurde. Zuerst wurde nur nach Norddeutschland exportiert. Scharen wandernder Händler durchzogen mit Schubkarren und Kraxen auf dem Rücken durch Sachsen nach Norden bis nach Holland. Erst wenn ein böhmischer Glashändler nach seiner dritten erfolgreichen Auslandstour wieder in die Heimat zurückgekehrt war, gestattete ihm das ungeschriebene Gesetz der Gilde (dann im Alter von ca. 35 Jahren), die Verheiratung.

Am bekanntesten von den Händlern war Georg Franz Kreybich, der 1662 in Steinschönau geboren wurde. Von ihm sind die Aufzeichnungen seiner 15 größten Reisen erhalten. Seine Reisen gingen u.a. über Bayern, Salzburg, Wien zu Fuß nach Breslau, bei der zweiten und dritten gleichen Reise benutzte er dann schon einen Karren. Nächstes Ziel war Spanien, danach England, Dänemark, Schweden, und dann mit zwei Pferdefuhrwerken nach Moskau. Konstantinopel und Riga waren weitere Ziele.
Insbesondere der Handel mit Spanien war sehr intensiv, viele Deutschböhnen erwarben Häuser in Spanien, über 80 Faktoreien (1878) stellten die Geschäftsbeziehungen in alle Welt sicher

Der berühmteste aller nordböhmischen Glaskünstler war zweifellos Friedrich Egermann. Sein Lebensweg war wahrlich nicht alltäglich. Geboren am 5. März 1777 in Schluckenau wurde er schon im Alter von 6 Wochen von Verwandten aufgenommen. Von Preußen im sogenannten Kartoffelkrieg 1878 verschleppt wird er wieder zurückgeführt und von einer Großtante aufgezogen. Mit 8 Jahren erkrankt er nach einem Hundebiß an Tollwut, seine Genesung geschieht nur sehr langsam. Wasser und Brot, Schläge und strafweises Anbinden sind der Alltag, er muß spinnen und stricken lernen. 1786 braucht sein Oheim Ignatz Kittel als Pfarrer einen neuen Pfarrjungen, er bleibt drei Jahre dort. Eigentlich möchte er nach Spanien, wo manche Haidaer Familie Geschäftsbeziehungen unterhält, aber sein Oheim meint, dazu müsse er zuerst ein Handwerk erlernen. Zuerst fängt er als Schneider an, dann als Bierbrauer, zerquetzch sich eine Hand und hütet danach Schafe. Dann versucht er noch eine Fleischhauerlehre. Kurz danach geht er zu einem Onkel nach Kreibitz und lernt dort Glasblasen und Glasmalen. Die Geschäfte gehen schlecht, man kennt nur die wenig beliebte Kleksmalerei. Da er aber künstlerisch malen möchte geht er nach Sachsen aus Wanderschaft, wo er sich als Messerschleifer und Topfbinder durchschlägt.
So kommte er nach Meißen an das Ziel seiner Wünsche. Um an die bestens gehüteten Geheimnisse der Porzellanmalerei zu kommen, stellt er sich als Messerschleifer dumm, wird als böhmischer Hans verspottet, registriert aber sehr genau,was um ihn herum gesprochen wird. Ebenfalls sammelt er Bruchware und verschickt diese nach Hause. Dort lernt er noch einmal zwei Jahre lang die Glasmacherkunst und vervollkomnet sich im Zeichnen.
Mit 25 Jahren besitzt er seine eigene Produktion. Seine Stärke liegt jedoch auf dem Gebiet der Erfindungen.
1808 zeigt er sein Achatglas, dem 1817 erstmalig mattgeschliffenes Kristallglas folgt. 1819 marmoriertes Glas, 1820 die ersten Silberätzungen, 1820 das Biskuitglas und 1828 Lithyalinglas.
Nach 16 Jahren harter Arbeit und sehr gefährlichen Experimenten, die ihm mehrfach fast das Leben gekostet haben, krönt er sein Lebenswerk mit der Erfindung des böhmischen Rubinglases! Nach über 5000 erfolglosen Versuchen fand er die zündende Idee und nahm anstatt des teuren Dukatengold das billige Kupferoxyd.
Er machte jedoch den Fehler und ließ sich die Erfindung nicht patentieren. Es war sein persönliches Geheimnis, bis Diebe bei ihm einbrachen und seine Werkstätten durchsuchten. Trotz großem Umsatz und vielen Auszeichnungen sammelte er kein Vermögen an, sonders spendete es mildtätigen Zwecken. Als er 1864 starb erkannte er sehr genau die Gefahren für die Zukunft des böhmischen Glases.

Aber auch andere Glasschneider waren sehr bekannt, wie Franz Anton Pelikan (*1885), August Böhm (* 1812), Karl Günther (*1808), Karl Pfohl.

1855 wurde die Glasfachschule in Steinschönau gegründet, ihr folgten Schulen in Haida (1869), die 1926 zusammengelegt wurden und in Eisenbrod (1920). Diese Schulen waren ganz entscheidend an der Entwicklung der böhmischen Glaskunst beteiligt. 1947 übersiedelte das Lehrerkollegium von Steinschönau fast vollständig nach Rheinbach bei Bonn, wo 1948 eine neue Glasfachschule die Tradition fortsetzte.